Hinweis: Diese Webseite ist für die von Ihnen genutzte Browser-Version nicht optimiert.

Der Stromhandel im Mai und Juni 2018

12.07.2018 – Deutschland exportierte auch in den beiden vergangen Monaten mehr Strom als es importierte. Der Nettoexport fiel jedoch um gut 55 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Größte Importeure von hier produziertem Strom waren die Niederlande, Österreich und Luxemburg. Der Großhandelsstrompreis lag im Durchschnitt bei 37,91 Euro/MWh und somit deutlich über dem Durchschnittspreis im gleichen Vorjahreszeitraum.

Der Stromhandel im Mai und Juni 2018

In den Monaten Mai und Juni betrug der kommerzielle Nettoexport Deutschlands 3.987 GWh. Das entspricht knapp 5 Prozent des in diesem Zeitraum in Deutschland produzierten Stroms. Im Vergleich zum Vorjahr fiel der Nettoexport um 55,4 Prozent. Ein Grund für diesen Rückgang ist die um knapp 5.000 GWh niedrigere Erzeugung von konventionellen Energieträgern bei annähernd gleichem Stromverbrauch. Zu dieser Reduktion hat unter anderem die Stilllegung von insgesamt knapp 4 GW Kernenergie- und Steinkohlekraftwerken beigetragen. Sie zeigt aber auch allgemein, dass sich konventionelle Kraftwerke immer besser an den Strombedarf und das Angebot von erneuerbaren Energien ausrichten. Hauptabnehmer von Stromexporten waren die Niederlande, in das nach Abzug der Importe mit 3.074 GWh am meisten netto exportiert wurde (plus 33,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). An zweiter Stelle lag Österreich mit 2.005 GWh (minus 57 Prozent) vor Luxemburg, in das netto 679 GWh exportiert wurde (minus 1,4 Prozent).

Nettoimporteur war Deutschland gegenüber der Schweiz, Frankreich und Tschechien, aus denen netto insgesamt 2.677 GWh bezogen wurden. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um fast das Dreifache. Der Stromhandel mit Schweden blieb bis Ende Mai durch das ausgefallene Baltic Cable, der einzigen direkten Stromverbindung mit Deutschland und einer maximalen Übertragungskapazität von 600 MW, unterbrochen. Erst nach dem Abschluss der Reparatur- und Wartungsarbeiten am Seekabel zwischen dem schwedischen Kruseberg und Lübeck-Herrenwyk, ist wieder ein konstanter Stromhandel möglich und zu beobachten. Im Mai und Juni exportierte Deutschland netto insgesamt 34 GWh Strom nach Schweden, während im Vorjahreszeitraum 362 GWh importiert wurden. Ein Blick auf die Preise zeigt, dass die Preise im Gegensatz zu 2017 dieses Jahr in Schweden im Durchschnitt höher waren als in Deutschland, was die Änderung der Handelsrichtung erklärt.

Mit den Marktdaten von SMARD lassen sich diese Daten grafisch darstellen

Die Grafik stellt den kommerziellen Stromhandel von Deutschland mit den oben beschriebenen Ländern im Überblick dar. (Brutto-)Exporte werden oberhalb, (Brutto-)Importe unterhalb der Null-Linie dargestellt.

Der Großhandelspreis in Deutschland

Die Großhandelsstrompreise haben im Vergleich zum Vorjahr zugelegt: Die Stundenprodukte des EPEX-Day-Ahead-Markts wurden in den Monaten Mai und Juni zwischen 65,99 und minus 58,96 Euro je Megawattstunde (Euro/MWh) gehandelt und hatten dabei einen Durchschnittspreis von 37,91 Euro/MWh. Dies sind 7,68 Euro/MWh mehr als im Vorjahr.

Den höchsten Börsenpreis auf dem Day-Ahead-Markt der beiden vergangenen Monate gab es am Mittwoch, den 23. Mai, zwischen 8 und 9 Uhr mit 65,99 Euro/MWh. In diesen Morgenstunden ging die Sonne gerade auf, so dass die volle Sonnenenergie noch nicht zur Verfügung stand, der Wind wehte hingegen schwächer als am übrigen Tag. Trotz des höchsten Preises im Betrachtungszeitraum wurden aus Deutschland in dieser Stunde 664 MWh elektrische Energie an die Nachbarländer verkauft, da lediglich in der Schweiz und Tschechien niedrigere Preise vorlagen.

Zur Zeit des niedrigsten Strompreises mit minus 58,96 Euro/MWh am Dienstag, den 1. Mai, zwischen 14 und 15 Uhr fand ein Export in Höhe von 15,5 GWh statt. Zu dieser Zeit deckten die Erneuerbaren allein den Stromverbrauch Deutschlands. Das hohe Angebot zusammen mit dem an Feiertagen üblicherweise niedrigen Verbrauch führte zu diesem negativen Preis. Über den Strommarkt haben die Kraftwerksbetreiber die Kapazitäten, die sie am Netz behalten haben, zu negativen Preisen im deutschen Markt abgesetzt und Strom auch in die angrenzenden Länder exportiert.

Marktdatengrafiken zum Durchklicken